Objekt des Monats

Mai 2022

Feuerhorn

Datierung: 1. Hälfte 20. Jahrhundert
Herkunft: Vinzenz Vogt, Mäls
Inventar-Nr.: SAB 022

 

1959 übernahm die Freiwillige Feuerwehr Balzers die Föhnwache. Bis dahin hatte jeder Haushalt als Frondienst diese Wache zu übernehmen. Dafür gab es in den Dorfteilen Balzers und Mäls je einen «Füürgschworna». Das waren von der Gemeinde beauftragte Männer zum Schutz gegen die Feuergefahr.

 

An Abenden mit Föhn gingen die «Füürgschworna» von Haus zu Haus und kontrollierten, ob die Herdfeuer auch tatsächlich gelöscht waren. Ausserdem boten sie in Balzers und Mäls je zwei Haushalte für die Föhnwache für Vormitternacht und Nachmitternacht auf.  Die Haushalte, die an der Reihe waren, bekamen ein Feuerhorn («Füürgüügele») und mussten während vier Stunden im Dorfteil herumgehen und bei einem Brandausbruch mit dem «Füürgüügele» Alarm blasen.

 

In Balzers wurde noch bis 1964 bei einem Brandfall mit dem «Füürgüügele» Alarm gegeben. In diesem Jahr wurde der Telefonalarm eingeführt.

 

Dieses Feuerhorn gehörte Vinzenz Vogt (1905–1984), dem letzten «Füürgschworna» von Mäls.

 

Bis zum 4. September 2022 ist dieses Feuerhorn im Original in der Sonderausstellung «100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Balzers» zu sehen.

April 2022

Ackeregge

Datierung: 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts
Inventar-Nr.: SAB 1592

 

Im Frühjahr, spätestens im April, stehen verschiedene Arbeiten auf den Feldern an.

 

Ein wichtiges Gerät für die Bodenbearbeitung ist dabei bis heute die Ackeregge. Sie wird eingesetzt, um die obere Bodenschicht zu lockern, Erdschollen zu zerkleinern, die Böden für die Aussaat vorzubereiten und um Unkraut zu bekämpfen.

 

Es gibt zahlreiche Typen von Eggen. Unsere Egge zeigt noch den ursprünglichen Typ mit Holzgerüst und Holzzinken. Später wurden hauptsächlich Stahlzinken verwendet. Die heutigen Eggen sind ausschliesslich aus Stahl gefertigt.

März 2022

Hochvakuum-Bedampfungsanlage VL 300

Hersteller: Gerätebau-Anstalt Balzers
Datierung: um 1949
Inventar-Nr.: SAB 1693

 

Der deutsche Physiker Dr. Max Auwärter (1908–1995) gründete am 7. Juli 1946 die Gerätebau-Anstalt Balzers, um die bis dahin noch weitgehend unbekannte Vakuum-Dünnfilmtechnologie industriell nutzbar zu machen.

 

Die Gerätebau-Anstalt, die spätere Balzers AG und u.a. heutige Oerlikon Balzers, nimmt eine Schlüsselrolle in der Industrialisierung in Balzers ein, weil sich der Betrieb zu einem weltweit tätigen High-Tech-Unternehmen entwickelte. Sie wurde  rasch zum grössten Arbeitgeber in Balzers und gewisse Sparten werden in neuen Unternehmen fortgeführt.

 

Die Firma ist spezialisiert auf die Fertigung dünner Schichten. Ihre Produkte finden Verwendung in der Optik, der Raumfahrt, der Elektronik oder auch in der Computertechnik. Erste Produkte waren beschichtete Gläser für Fotokameras, Ferngläser, Brillen und für wissenschaftliche Geräte.

 

Da es in den Anfängen des Unternehmens keine Apparaturen für die Oberflächenbeschichtungen gab, entwickelte und konstruierte sie die Gerätebau-Anstalt selbst.

 

Die hier gezeigte Anlage ist eine der ersten Bedampfungsanlagen der Gerätebau-Anstalt Balzers und ist um 1949 hergestellt worden. In der Stahlglocke werden unter Hochvakuum Gläser mit verschiedensten Metallen durch Aufdampfen beschichtet. Noch bis zum 10. April 2022 ist sie im Original in der Ausstellung «Nach Balzers gesucht ...» Industrielle Anfänge in Balzers zu sehen.

Februar 2022

Missions-Spendendose

Datierung: 20. Jahrhundert
Herkunft: Benediktinermissionare Uznach (SG)
Inventar-Nr.: SAB 0694

 

Von den 1930er- bis etwa in die 1980er-Jahre sammelten während der Fasnacht Kinder in fast allen Gemeinden Liechtensteins für die Missionen. Dabei waren die Kinder meist als Afrikaner verkleidet. Als Sammelbüchse diente oft eine solche Spendendose wie diese hier.

 

Sie besteht aus einem Spendenkästchen mit einer Figur eines knienden afrikanischen Kindes. Wenn ein Geldstück eingeworfen wird, nickt der Kopf zum Dank. Daraus entwickelte sich der Begriff «Nickneger» für solche Spendendosen.

 

Wie die Etikette im Holzkästchen verrät, wurde mit dieser Spendendose für die Benediktinermissionare in Uznach im Kanton St. Gallen gesammelt. Diese sind seit 1919 in der Ostafrika-Mission tätig.

 

In vielen Schulen waren bis in die 1960er-Jahre solche Spendendosen in den Klassenzimmern aufgestellt. Ein ehemaliger Schüler konnte sich noch gut daran erinnern, dass die Schulschwestern eine Freude hatten, wenn man 20 Rappen einwarf.

 

Etwas Rassistisches wurde damals in dieser Form des Sammelns nicht gesehen.

Januar 2022

Ski-Biegeapparat

Datierung: 1930er-Jahre
Hersteller: Eduard Brunhart, Balzers
Inventar-Nr.: SAB 1597

 

Nach einer Lehre als Wagner und einer praktischen Ausbildung zur Herstellung von Skiern in Vorarlberg erhielt der Balzner Eduard Brunhart (1905–1938) im Jahr 1932 die Konzession als Wagner.

 

Er übernahm den Betrieb seines Vaters und war einer der ersten Skifabrikanten in unserer Region. Seine Eigenmarke «Ski-Brunhart» war den damals weltbekannten Ski-Marken wie Attenhofer und Schwendener in Form und Taillierung ebenbürtig und über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

 

Eduard Brunhart hatte alle Unterlagen, Schablonen und Apparaturen für die Ski-Fabrikation selbst ausgetüftelt und hergestellt oder liess die gekauften Maschinen nach seinen Ideen und Erfordernissen umbauen.

 

Eine wichtige Apparatur der Skiherstellung ist ein solcher Ski-Biegeapparat:

 

Nachdem die Bretter aus Eschen- oder Hickoryholz geschnitten und in Form gesägt wurden, kamen sie in einen Dampfkasten. In diesem wurden die Bretter aufgeweicht und feucht. Danach wurden sie in den Biegeapparat eingespannt und in die gewünschte Form gebracht.

 

Der Biegeapparat kam dann mitsamt den eingespannten Ski-Rohlingen in einen Trockenraum. Dort blieben sie, bis sich die Form nicht mehr verändern konnte.

 

Gemäss mündlicher Auskunft zweier Grossnichten von Eduard Brunhart stellte ihr Vater mithilfe dieses Apparates die Wendeltreppe in der Mariahilf-Kapelle in Balzers her. Nur aufgrund dieses Apparates konnte die Biegung der Wendeltreppe erreicht werden.