Objekt des Monats

Oktober 2022

Korbflasche

Datierung:        20. Jh.

Inventar-Nr.:   SAB 1596

 

Eine Korbflasche besteht aus einer Glasflasche, die mit einem Weidenkorb ummantelt ist. Dieser Korb schützt zum einen vor Beschädigungen an der Glasflasche, zum anderen auch vor Lichteinfluss, und er hat häufig praktische Tragegriffe.

 

Korbflaschen gibt es in verschiedenen Grössen und Formen. Sie werden genutzt, um Flüssigkeiten zu lagern, zu transportieren und auch selbst Wein und Likör herzustellen. Vor allem die grossen Glasballons mit einem Fassungsvermögen bis über 50 Liter werden für Letzteres verwendet.   

 

Korbflaschen sind bis heute in Gebrauch, der Korb ist jedoch meist aus Kunststoff gefertigt.

September 2022

Frucht- und Beerenpresse

Datierung:        1. Hälfte 20. Jh.

Inventar-Nr.:    SAB 1607

 

Sobald die Beeren und Früchte gepflückt und gesammelt werden können, gibt es mehrere Möglichkeiten sie weiterzuverarbeiten. Eine davon ist, sie mit einer solchen Presse zu Saft, Konfitüre oder auch einfach zu Brei zu pressen. Auch Sirup kann aus den Beeren mit Hilfe einer solchen Presse hergestellt werden.

 

Konfitüre aus Beeren war früher schon ein fester Bestandteil vom Frühstück. Aber auch für das Pausenbrot und wenn man auf die Alp ging, hat man Brot mit Konfitüre, ein sogenanntes «Saftbrot» mitgenommen.

 

Frucht- und Beerenpressen wie diese waren nicht für die Massenverarbeitung geeignet. Grossfamilien haben sie benutzt, die Beeren und Früchte für den Eigenverbrauch verarbeiten wollten. Für einen Haushalt war eine solche Presse sehr praktisch und handlich.

 

Die Presse konnte einfach mit der gewünschten Frucht oder Beeren gefüllt werden und durch Drehen gepresst werden. Schliesslich floss der Saft oder Brei unten durch den Ausfluss hinaus in ein weiteres Gefäss. Die etwas losen Holzdauben erleichtern dabei das Ausfliessen.

August 2022

Seilholz mit Transportseil

 

Datierung:  20. Jahrhundert                                                            
Inventar-Nr.: SAB 601

 

Das Seilholz war früher in der Landwirtschaft sehr verbreitet. Es diente zum Festbinden irgendeiner Ladung. Vor allem kam es beim Transport von Heuballen zum Einsatz.

 

Die Ladung wurde auf Wagen oder Schlitten transportiert oder von Lasttieren oder auch von Menschen getragen.

 

Das Seilholz fand in ganz Europa Verwendung, entsprechend gibt es auch verschiedene Ausführungen. Es ist so konstruiert, dass man damit mühelos das Seil um die Ladung anziehen und einen festen Knoten machen kann, der sich leicht wieder lösen lässt.

 

Der gewöhnliche Typus des Seilholzes besteht aus einem länglichen Stück Holz von etwa 15 bis 20 cm Länge. Es hat zwei Öffnungen: An der oberen, kleinen wird das Seil befestigt, durch die untere, längliche wird das Seil durchgezogen und die Ladung festgezogen.

 

Beim Festbinden eines Heuballens wird zuerst das Seil auf dem Boden in einer geraden Linie ausgelegt. Danach wird das Heu mit dem Rechen zusammengenommen, auf das Seil gelegt und aufgeschichtet. Hat der Heuballen die gewünschte Grösse erreicht, wird er mit dem Seil festgebunden. Dazu nimmt man das Seilende, zieht es durch die Öffnung des Seilholzes und befestigt es mit einer Schlinge um die Seilholzspitze.

Juli 2022

Liegestuhl

 

Datierung:  20. Jahrhundert                                                            
Inventar-Nr.: SAB 1594

 

Die Idee eines Möbels, das Sitzen und Liegen verbindet, ist in dieser Form noch nicht so alt. Im 19. Jahrhundert sind Liegestühle Reichen und Kranken vorbehalten. Nichtstun, entspannen, geniessen, das konnten sich fast nur Aristokraten leisten.

 

Ursprünglich ist der Liegestuhl ein Stuhl für Reisende auf dem Deck von Linien- und Kreuzfahrtschiffen. Er lässt sich zusammenklappen, leicht transportieren und stapeln.

 

Unser Liegestuhl hier wurde in den 1970er-Jahren im alten Pfarrhaus von Balzers gefunden.

 

Kein anderes Möbelstück ist so mit dem Gefühl von Sommer, Sand und Meer und mit Blick auf den freien Himmel verbunden.

 

Wir wünschen einen erholsamen Sommer!

 

Der Alte Pfarrhof bleibt ferienhalber vom 11. bis 31. Juli geschlossen!

Juni 2022

Strassentafel «k.k. Nebenzollamt II. Klasse»

Datierung: 19. Jahrhundert
Inventar-Nr.: SAB 005

 

Am 5. Juni 1852 konnte Liechtenstein mit Österreich einen Zoll- und Steuervereinsvertrag abschliessen. Dieser Vertrag machte Liechtenstein zu einem Teil des österreichischen Wirtschaftsgebiets und schuf freien Verkehr für Arbeitsuchende sowie Gewerbe- und Handelsleute zwischen beiden Staaten.

 

Österreichische Finanzwachleute, so genannte «Finanzer», kontrollierten von da an die liechtensteinischen Grenzen zur Schweiz. An den Grenzübergängen zur Schweiz – unterhalb der Luzisteig, in Mäls beim Murasträssle und beim Rheinübergang – standen Ansageposten zur Abfertigung von Personen ohne Waren oder mit zollfreien Waren.

 

Das eigentliche Zollamt befand sich nicht direkt an der Grenze, sondern mitten im Dorf. Es wurde 1853 vom Balzner Postwirt Franz Josef Wolfinger gegenüber dem Wirtshaus Post erbaut und an die österreichische Zollverwaltung vermietet.

 

Die Strassentafel wies den Weg zu diesem «k.k. österreichisch und fürstlich liechtensteinischen Nebenzollamte II. Klasse», das bis zur Auflösung des Zollvertrags im Jahr 1919 bestand.

 

Nach unterschiedlichen Nutzungen befindet sich heute in diesem Gebäude die Balzner Filiale der Liechtensteinischen Landesbank.

Mai 2022

Feuerhorn

Datierung: 1. Hälfte 20. Jahrhundert
Herkunft: Vinzenz Vogt, Mäls
Inventar-Nr.: SAB 022

 

1959 übernahm die Freiwillige Feuerwehr Balzers die Föhnwache. Bis dahin hatte jeder Haushalt als Frondienst diese Wache zu übernehmen. Dafür gab es in den Dorfteilen Balzers und Mäls je einen «Füürgschworna». Das waren von der Gemeinde beauftragte Männer zum Schutz gegen die Feuergefahr.

 

An Abenden mit Föhn gingen die «Füürgschworna» von Haus zu Haus und kontrollierten, ob die Herdfeuer auch tatsächlich gelöscht waren. Ausserdem boten sie in Balzers und Mäls je zwei Haushalte für die Föhnwache für Vormitternacht und Nachmitternacht auf.  Die Haushalte, die an der Reihe waren, bekamen ein Feuerhorn («Füürgüügele») und mussten während vier Stunden im Dorfteil herumgehen und bei einem Brandausbruch mit dem «Füürgüügele» Alarm blasen.

 

In Balzers wurde noch bis 1964 bei einem Brandfall mit dem «Füürgüügele» Alarm gegeben. In diesem Jahr wurde der Telefonalarm eingeführt.

 

Dieses Feuerhorn gehörte Vinzenz Vogt (1905–1984), dem letzten «Füürgschworna» von Mäls.

 

Bis zum 4. September 2022 ist dieses Feuerhorn im Original in der Sonderausstellung «100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Balzers» zu sehen.

April 2022

Ackeregge

Datierung: 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts
Inventar-Nr.: SAB 1592

 

Im Frühjahr, spätestens im April, stehen verschiedene Arbeiten auf den Feldern an.

 

Ein wichtiges Gerät für die Bodenbearbeitung ist dabei bis heute die Ackeregge. Sie wird eingesetzt, um die obere Bodenschicht zu lockern, Erdschollen zu zerkleinern, die Böden für die Aussaat vorzubereiten und um Unkraut zu bekämpfen.

 

Es gibt zahlreiche Typen von Eggen. Unsere Egge zeigt noch den ursprünglichen Typ mit Holzgerüst und Holzzinken. Später wurden hauptsächlich Stahlzinken verwendet. Die heutigen Eggen sind ausschliesslich aus Stahl gefertigt.

März 2022

Hochvakuum-Bedampfungsanlage VL 300

Hersteller: Gerätebau-Anstalt Balzers
Datierung: um 1949
Inventar-Nr.: SAB 1693

 

Der deutsche Physiker Dr. Max Auwärter (1908–1995) gründete am 7. Juli 1946 die Gerätebau-Anstalt Balzers, um die bis dahin noch weitgehend unbekannte Vakuum-Dünnfilmtechnologie industriell nutzbar zu machen.

 

Die Gerätebau-Anstalt, die spätere Balzers AG und u.a. heutige Oerlikon Balzers, nimmt eine Schlüsselrolle in der Industrialisierung in Balzers ein, weil sich der Betrieb zu einem weltweit tätigen High-Tech-Unternehmen entwickelte. Sie wurde  rasch zum grössten Arbeitgeber in Balzers und gewisse Sparten werden in neuen Unternehmen fortgeführt.

 

Die Firma ist spezialisiert auf die Fertigung dünner Schichten. Ihre Produkte finden Verwendung in der Optik, der Raumfahrt, der Elektronik oder auch in der Computertechnik. Erste Produkte waren beschichtete Gläser für Fotokameras, Ferngläser, Brillen und für wissenschaftliche Geräte.

 

Da es in den Anfängen des Unternehmens keine Apparaturen für die Oberflächenbeschichtungen gab, entwickelte und konstruierte sie die Gerätebau-Anstalt selbst.

 

Die hier gezeigte Anlage ist eine der ersten Bedampfungsanlagen der Gerätebau-Anstalt Balzers und ist um 1949 hergestellt worden. In der Stahlglocke werden unter Hochvakuum Gläser mit verschiedensten Metallen durch Aufdampfen beschichtet. Noch bis zum 10. April 2022 ist sie im Original in der Ausstellung «Nach Balzers gesucht ...» Industrielle Anfänge in Balzers zu sehen.

Februar 2022

Missions-Spendendose

Datierung: 20. Jahrhundert
Herkunft: Benediktinermissionare Uznach (SG)
Inventar-Nr.: SAB 0694

 

Von den 1930er- bis etwa in die 1980er-Jahre sammelten während der Fasnacht Kinder in fast allen Gemeinden Liechtensteins für die Missionen. Dabei waren die Kinder meist als Afrikaner verkleidet. Als Sammelbüchse diente oft eine solche Spendendose wie diese hier.

 

Sie besteht aus einem Spendenkästchen mit einer Figur eines knienden afrikanischen Kindes. Wenn ein Geldstück eingeworfen wird, nickt der Kopf zum Dank. Daraus entwickelte sich der Begriff «Nickneger» für solche Spendendosen.

 

Wie die Etikette im Holzkästchen verrät, wurde mit dieser Spendendose für die Benediktinermissionare in Uznach im Kanton St. Gallen gesammelt. Diese sind seit 1919 in der Ostafrika-Mission tätig.

 

In vielen Schulen waren bis in die 1960er-Jahre solche Spendendosen in den Klassenzimmern aufgestellt. Ein ehemaliger Schüler konnte sich noch gut daran erinnern, dass die Schulschwestern eine Freude hatten, wenn man 20 Rappen einwarf.

 

Etwas Rassistisches wurde damals in dieser Form des Sammelns nicht gesehen.

Januar 2022

Ski-Biegeapparat

Datierung: 1930er-Jahre
Hersteller: Eduard Brunhart, Balzers
Inventar-Nr.: SAB 1597

 

Nach einer Lehre als Wagner und einer praktischen Ausbildung zur Herstellung von Skiern in Vorarlberg erhielt der Balzner Eduard Brunhart (1905–1938) im Jahr 1932 die Konzession als Wagner.

 

Er übernahm den Betrieb seines Vaters und war einer der ersten Skifabrikanten in unserer Region. Seine Eigenmarke «Ski-Brunhart» war den damals weltbekannten Ski-Marken wie Attenhofer und Schwendener in Form und Taillierung ebenbürtig und über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

 

Eduard Brunhart hatte alle Unterlagen, Schablonen und Apparaturen für die Ski-Fabrikation selbst ausgetüftelt und hergestellt oder liess die gekauften Maschinen nach seinen Ideen und Erfordernissen umbauen.

 

Eine wichtige Apparatur der Skiherstellung ist ein solcher Ski-Biegeapparat:

 

Nachdem die Bretter aus Eschen- oder Hickoryholz geschnitten und in Form gesägt wurden, kamen sie in einen Dampfkasten. In diesem wurden die Bretter aufgeweicht und feucht. Danach wurden sie in den Biegeapparat eingespannt und in die gewünschte Form gebracht.

 

Der Biegeapparat kam dann mitsamt den eingespannten Ski-Rohlingen in einen Trockenraum. Dort blieben sie, bis sich die Form nicht mehr verändern konnte.

 

Gemäss mündlicher Auskunft zweier Grossnichten von Eduard Brunhart stellte ihr Vater mithilfe dieses Apparates die Wendeltreppe in der Mariahilf-Kapelle in Balzers her. Nur aufgrund dieses Apparates konnte die Biegung der Wendeltreppe erreicht werden.